Ein Spaziergang durch das Dresdner Jugendstilviertel

Unweit des kleinen Siemank-Cafés Mosenstraße 29 kann man ein besonders zauberhaftes Stück Dresden entdecken – abseits der üblichen Touristenpfade.

Der Stresemannplatz

Zwischen Krenkel- und Fetscherstraße blieb ein Stadtviertel erhalten, das gern als das Dresdner Jugendstil-Viertel bezeichnet wird. Vom Bombenangriff 1945 weitestgehend verschont, waren die Gebäude bis zum Ende der DDR zwar einem schleichenden Verfall ausgesetzt, blieben aber unverändert. Die Förderung der Denkmalschutzsanierung nach 1990 motivierte zu Kauf und Sanierung. Die wunderschönen Fassaden kamen unter dichte Dächer und zu neuem Glanz.

Diese Bauten, entstanden im Reform-Geist um 1900, veranschaulichen den »Aufbruch zur Moderne« in Kunst und Architektur der nur kurzen, aber glanzvollen Zeit des Jugendstils – »Art Nouveau« – bis zum Ersten Weltkrieg. Die Erbauer wollten einen Bruch mit den Formwiederholungen des Historismus vollziehen und gleichzeitig Häuser mit großer Ästhetik und mehr Wohnqualität schaffen.
Um 1903 entstanden an der Südwestecke von Striesen großzügige freistehende Wohnhäuser. Die Krenkelstraße war auf dem Stadtplan von 1903 noch nicht zu finden. Der Walderseeplatz erhielt seinen Namen um 1906 – heute Stresemannplatz. Nirgends sonst in Dresden finden sich so gehäuft opulente Wohnhäuser auf großen Gartengrundstücken. Reicher Jugendstilschmuck ist an den Fassaden zu sehen, Treppenhäuser, Türen, Fenster und schmiedeeiserne Gitter in großer Vielfalt schmücken die Gebäude.

Die modische Gestaltung bezog auch die Innenräume mit Stuck, Dekorations­malerei und Holz­täfelungen oder -schnitzereien ein. Schöne, farbig gestaltete Fenster sind in den restaurierten Gebäuden wieder zu Blickfängen geworden. Die Grenzen zwischen den Stilen sind durchaus fließend, spannende Stilmischungen und Zitate ländlicher Bauformen sind vielfältig und sehenswert. Florale schwingende Formen, Türmchen und ausdrucksstarke Fabelwesen bilden im Unterschied zu den relativ monotonen Formen der Gründerzeit ein Zeichen des Aufbruchs in eine neue Stilwelt um die Jahrhundertwende, die ein Stück weit das »Zurück zur Natur« postulierte. Eine Besonderheit des »Dresdner Jugendstils« ist hier vielfach zu finden: Die Einbindung von Fachwerk in meist obere Geschosse der Wohnhäuser.

Filiale Striesen

Filiale Striesen in der Mosenstraße

Kontakt

Mosenstraße 29
01309 Dresden

Telefon: 0351 / 314 022 18

Öffnungszeiten über die Feiertage

  • Sonnabend, 24. Dezember: 6.30 – 12 Uhr
  • Sonntag, 25. Dezember: geschlossen
  • Montag, 26. Dezember: geschlossen
  • Sonnabend, 31. Dezember: 6.30 – 12 Uhr
  • Sonntag, 1. Januar 2023: geschlossen

Öffnungszeiten

Montag – Freitag: 6.30 – 18 Uhr
Sonnabend: 7 – 12 Uhr
Sonntag: 7.30 – 11 Uhr


  • Cafébereich
  • WLAN
  • Kartenzahlung
  • Parkplätze

Spaziergang durch das Dresdner Jugendstilviertel

Unser Weg führt uns vom Café in der Mosenstraße zunächst über die Haydn­straße in die Krenkelstraße. Kurzer Abstecher nach rechts:

Krenkelstraße 19

Das denkmalgeschützte Wohnhaus wurde 1905 für zwei Baufachleute, Ernst Traugott Fiedler, Maurerpolier, und Heinrich Gustav Zumpe, Baugewerke, erbaut. Es ist ein Beispiel für den späten Sezessions- und Jugendstil – mit Sandstein und stark asymmetrischer Gestaltung.

Nun kehren wir um und spazieren die Krenkelstraße entlang bis zum Stresemannplatz.

Krenkelstraße 13/15

Die Krenkelstraße 13/15, 1907, wird als »malerisch-landhausartig« beschrieben. Die mit Sandstein gegliederte Fassade zeigt die Ornamentik des späten Jugendstils, zwei hohe Giebel, loggia-artige Balkone und unterschiedliche gerundete Fensterformen.

Borsbergstraße 19/19b/21

Dann kreuzen wir die Borsbergstraße mit dem beeindruckenden Eckhaus Borsbergstraße 19/19b/21. Dieses 1900 errichtete und mit Sandstein verkleidete Wohn- und Geschäftshaus wurde mit spätgotischem und Jugendstil-Bauschmuck sparsam dekoriert. An der Ecke befindet sich ein Erker mit Turmhelm.

Borsbergstraße 19
Krenkenstraße 7

Krenkelstraße 7

Die Krenkelstraße 7, 1904 erbaut und denkmalgeschützt, zeigt eine symmetrische Schaufassade mit unterschiedlich gestalteten Fenstern mit Sandsteingewänden. Das Treppenhaus ist mit Marmorkassettierung, Deckengemälde, Landschaftsmedaillons und Jugendstildekor verziert. Im Ornamentglasfenster sieht man eine Landschaft mit Sonnenaufgang.

Krenkelstraße 3

Am Haus Krenkelstraße 3 entdecken wir reiche Jugendstil-Ornamentik mit
historisierenden Anklängen, Zierfachwerk und einen schönen Jugendstil-Zaun.

Stresemannplatz 7

Am Stresemannplatz 7 finden wir mit der Villa Würzburger ein 1910 – 1911 errichtetes Werk von Schilling & Graebner mit Walmdach in Jugendstilformen. Vor der sechsachsigen Hauptfassade mit angeputzten Ornamenten schmücken zwei Putten mit Füllhorn und Früchtekorb die Balkonbrüstung.

Stresemannplatz 2 und 3

Zu den späten Jugendstilbauten Dresdens gehören die herrschaftlichen Mietvillen Stresemannplatz 2 und 3. Letztere wird als Walderseeschlößchen bezeichnet.

Nun gehen wir durch die nach dem Dichter und Maler Robert Reinick benannte Straße.

Reinickstraße 13

Bemerkenswert an der Reinickstraße 13 – 1905 für den Maurermeister Gustav Reinhold Stelzig erbaut – sind die bauplastischen Arbeiten und die Loggien mit bogig geführtem Fachwerk.

Reinickstraße 10 und 11

Die Reinickstraße 10 ist in den typischen Farben der Zeit gestaltet und Nr. 11 mit märchenhaften Echsen und Rosen verziert. Sie wurde 1903 vom Eigentümer und Bauunternehmer Carl August Eichler erbaut. Auffällig sind die Asymmetrie und aufwendige Stuckaturen.

Das Schönste ist ein reich mit illusionistischen Malereien geschmückter Hausflur: Marmor unter Pfauen, Schwänen, Blumen und Apfelbäumen.

Reinickstraße 8

Auch die Reinickstraße 8 von 1903 zeigt aufwendige Dekoration und Ausmalung. Vorräume sind mit verschiedenen Gewölben gestaltet. Stilistisch ist der Übergang vom floralen zum geometrischen Jugendstil zu erkennen.

Danach biegen wir links ab in die Anton-Graff-Straße.

Anton-Graff-Straße 19

Die Anton-Graff-Straße 19 wurde 1903 für Julius Heinrich Hölzel erbaut. Der Mittelteil der symmetrischen Fassade zeigt oben einen Giebel mit »bandelwerkartiger« Dekoration.

Wir biegen nun rechts ein in die Wallotstraße.

Wallotstraße 27

Die 1903 erbaute Wallotstraße 27 zeigt bemerkenswerte späthistoristische und Jugendstil-Fassadendekoration.

Dann biegen wir erneut rechts ein in die Fetscherstraße, folgen dieser bis zur Ecke Borsbergstraße und gehen diese dann bis Ecke Anton-Graff-Straße.

Reinickstraße 10
Borsbergstraße 1

»Artushof«

Vom Stadtzentrum gesehen, wirkt hier der »Artushof«, 1900 als »Fürstenhof« erbaut, wie ein Tor zum Stadtteil.

Borsbergstraße 1

Die Mietvilla Borsbergstraße 1, 1901 erbaut, zeigt frühen Jugendstil. Sie ist verziert mit Paradiesbaum, Hähnen und Gorgonenhaupt. Ein Beispiel für die Abwendung vom Späthistorismus und den Übergang zum Jugendstil.

Borsbergstraße 2/4

Dieser 1903 erbaute Gebäudekomplex besteht aus zwei Häusern an der Südseite der Borsberg­straße, die zueinander spiegelverkehrt angeordnet sind. Ein höherer Giebel wurde in der Mitte angebracht. An den Seiten befinden sich niedrigere Eckerker mit Turmhelmen. Die Fassade ist ganz in Sandstein gearbeitet. Florale Ornamentik schmückt sowohl die Fensterbekrönungen als auch die Spiegelfelder.

Über die Anton-Graff-Straße gehen wir wieder zurück zur Haydnstraße und folgen dieser bis zum Ausgangspunkt.

Anton-Graff-Straße 28

Die Anton-Graff-Straße 28 wurde 1905 für Carl Gustav Baumgärtel, Architekt und Baumeister, erbaut.

Das freistehende Gebäude ist teilweise mit Sandstein verblendet. Die asymmetrisch angeordnete Fassade wurde mit Elementen des auslaufenden Jugendstils geschmückt, bemerkenswert ist ein überdachtes Jugendstil-Portal.


Rund um den Stresemannplatz


Literatur:

  • Volker Helas und Gudrun Peltz: Jugendstilarchitektur in Dresden
    KNOP Verlag, Dresden 1999, ISBN 3-934363-00-8.